Einmal Malta… und dann Hellas

Warten auf den Mistral

Que meraviglia! Wir sind unterwegs. Haben prima Wind.  Meistens jedenfalls. Als Sophie, die Tochter vom Käpt´n, Ende Juni in Cagliari ankam, blies der Mistral munter und wir mussten gegen an, um sie abzuholen. Mir hat das ja Spaß gemacht! Aber meine Crew war´n büsch´n aus der Übung. War ja zehn Monate her gewesen, dass die beiden mich zum letzten Mal gesegelt hatten.

Den Winter hab ich wieder in der schnuckeligen Marina von Santa Maria Navarrese verbracht.  Zum Glück hat mich die Crew von meiner Freundin Nahia öfter besucht. Sie haben meine Leinen gecheckt, vor allem wenn Sturm angesagt war. In die Bilge geschaut und was noch so anlag. Und ab und an in den Werkzeugkisten vom Käpt´n rumgestöbert.  Hab´ mich immer gefreut, wenn sie fündig geworden sind. Auch die Käpt´ns von der Orion und von der Seawitch kamen mal vorbei. Ich war dann aber trotzdem bannig froh, als meine Crew endlich wieder an Bord war. Ende März war´s natürlich noch klamm in den Kojen.  Aber mit dem lütten Heizlüfter wurde das bald kuschelig unter Deck. Und für die Plicht gibt das ja die Kuchenbude.

Über zwei Monate lang hat meine Crew an mir rumgepusselt. Das brauchte ich man aber auch! Unter anderem ist mein Getriebe nu´ überholt,  achtern hab ich ´ne höhere Reling aus Edelstahl mit schwenkbaren Solarpaneelen dran und meine Genua ist repariert. Und mein Beiboot hat ´nen Überzug bekommen! Der griechischen Sonne eilt nämlich der Ruf voraus, dass PVC ihr nicht lange standhält.

Ach Hellas! Was bin ich gespannt! Der Meltemi, der Nordostwind, der die meiste Zeit des Jahres in der Ägäis vorherrscht, ist unter Seeleuten berüchtigt. Aber wir wollen ja erst mal ins Ionische Meer, das liegt auf dem Weg. Ich hab reichlich Proviant an Bord und meine Tanks sind voll. Noch sind wir in sardischen Gewässern. Ankern vor Porto Pino. Die Lady M ist mit ihrem Käpt´n André aus Carloforte hergeschippert und liegt neben mir. Gemächlich schaukeln wir vor uns hin und genießen beim Schwojen den Ausblick. Mal auf die Dünen, hinter denen sich weitläufige Lagunen verbergen, die von Flamingos und Reihern bewohnt sind. Mal auf den Pinienwald am Kap und den Kanal mit den lütten Fischerbooten, der nach Porto Pino führt.  Der Sand  ist hier so hell, dass das Meer bei ruhigem Sommerwetter schimmert wie ein Türkis. Da macht das denn auch nix, wenn wir vielleicht etwas länger auf den richtigen Wind warten müssen.  Und der Mistral ist ja zuverlässig. Früher oder später wird er kommen. Und mich von schräg achtern Kurs Südost schieben. Raumer Wind heißt das in der Seeleutesprache. Und wenn er wie üblich anständig  bläst, hab ich dann auch ´ne feine Welle aus der gleichen Richtung. Freu mich schon auf´s Surfen!

*

Wenn Rasmus wohlgesonnen ist…

Was für ein wunderbarer Segelwind! Kaum sind wir um die Südwestspitze von Sardinien rum, geht das los. Im Schutz der Insel gleite ich ruhig und geschwind dahin. Komme sogar immer wieder ins Surfen. Doch dann haben wir Kreuzsee vom Feinsten. Denn der Mistral teilt sich gern, wenn er aus dem Löwengolf heranweht. Im Westen von Sardinien fegt er die Küste hinab, umrundet die Insel im Süden und wird zu Westnordwest. Zugleich wird er südlich von Korsika in die Straße von Bonifacio abgelenkt, die Meerenge zwischen Sardinien und Korsika. Bläst er stark genug, umrundet er dann die Nordostspitze Sardiniens und wird zum Nordwind. Welle aus Westnordwest trifft also auf Welle aus Nord. Und wenn sie hoch genug ist, und ich schweres Mädchen wie ein Korken auf ihr tanze, nennen Seeleute das „Waschmaschine“.

Fast zwei Tage lang traut meine Crew sich nich´ mal mehr, das Brotmesser in die Hand zu nehmen. Eigentlich wollten wir ja bei den Egadischen Inseln, im Nordwesten von Sizilien, einen Stop einlegen. Da rauschen wir aber dran vorbei und lassen Favignana an Backbord liegen. Vor Anker in ´ner Bucht dort hätte meine Crew sicher keine ruhige Nacht. Die beiden überlegen, was es zum Abendessen geben könnte, denn sie haben mittlerweile die große Schüssel Reissalat und die Kartoffeltortilla aufgefuttert. Da wird das doch tatsächlich auf einmal ruhig genug, um ein paar Stullen zu schmieren. 

Meine Ruthie hat Steuerwache, und ich gleite bei über zwanzig Knoten von achtern so elegant dahin, dass sie Papier und Stift holt. Glücklich hockt sie in der Plicht und macht Notizen. Ab und an wirft sie ´nen Blick auf den Plotter. Kontrolliert, ob der Autopilot alles unter Kontrolle hat. Da knallt eine Böe von über dreißig Knoten in die Genua. Der Autopilot tilt. Er kann nicht schnell genug reagieren. Ich lauf´ aus dem Ruder. Kaum hat meine Steuerfrau ihren Schreibkram ins Schwalbennest gestopft, ist mein Käpt´n zur Stelle und die beiden fahren eine Wende. Das Schreiben lässt die Deern auf Wache nu´ lieber sein.

Wir lassen Sizilien hinter uns. Die Nacht ist mondlos. Horizont und Meer verschwimmen in der Dunkelheit. Als endlich die Sonne über den Horizont lugt, ist Gozo in Sicht, die westlichste Insel des maltesischen Archipels. In weniger als drei Tagen sind wir vom Südwesten Sardiniens hierher gesegelt. Rasmus ist uns wohlgesonnen!

Segeln bei raumem Wind

Glossar

Que meraviglia! – Wie wunderbar! (Italienisch)

Cagliari – Hauptstadt von Sardinien, im Süden der Insel.

Mistral – Nordwestwind, der vom Löwengolf her weht.

bannig – sehr (Plattdütsch)

lütt – klein (Plattdütsch)

raumer Wind – der Wind fällt in einem Winkel von ca. 100 bis 170 Grad in die Segel, sodass diese weit geöffnet werden müssen.

Plicht – auch Cockpit genannt. Bereich des Bootes im Freien, wo sich der  Steuerstand beefindet, meist auch Sitzbänke und ein Klapptisch.

Kuchenbude – Abdeckung der Plicht mit einem Verdeck, das ähnlich wie ein Zelt vor den Cockpitbereich Regen, Wind und Sonne

rumpusseln –  arbeiten, basteln (Plattdütsch)

schwojen – liegt ein Boot vor Anker dreht sich sein Bug in den Wind und die Ankerkette spannt sich. Je nach Windrichtung und -stärke  befindet es sich dann an einem entsprechenden Punkt auf oder innerhalb eines 360 Grad Kreises.

Carloforte – Stadt auf einer dem Südwestzipfel Sardiniens vorgelagerten Insel

Kreuzsee –  die Welle rollt aus zwei Himmelsrichtungen heran

Egadische Inseln – Inselgruppe im Nordwesten von Sizilien

Favignana – größte der Egadischen Inseln

Rasmus – Schutzpatron der Seeleute

Knoten – ein Knoten entspricht einer Geschwindigkeit von einer Seemeile pro Stunde (1 Sm = 1852 m)

aus dem Ruder laufen – eine starke Böe fällt ins Vorsegel und das Boot wird herumgedrückt, bis der Bug im Wind steht und das Vorsegel einfällt . Das Boot lässt sich erst wieder steuern, wenn das Segel getrimmt wird, d.h. es muss so zum Wind stehen, dass es sich strafft.

eine Wende fahren – das Vorsegel (Genua oder Fock) auf die andere Seite bringen, sodass der Bug des Bootes durch den Wind geht. Der Wind bläst von der anderen Seite ins Segel und der Kurs ändert sich -je nach Boot- mindestens um 60 bis 90 Grad.

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Gozo – schroffe Felsen, staubiges Grün

Zur rechten Zeit für ein Mittagsschläfchen fällt mein Anker. Simon von der Nahia hatte uns kurz zuvor die Position einer wunderschönen Bucht geschickt. Die Zufahrt zur Dwejra Bay ist nach Westen offen. Sie führt in ein weites Becken zwischen hoch aufragenden Felswänden. Es gibt ja kaum etwas, das ich so fürchte wie Steilküsten. Aber ich hab‘ hier reichlich Raum zum Schwojen. Und sollte starker Westwind aufkommen, bringt meine Crew mich woanders hin. Da kann ich mich auf verlassen.

Nachts lieg´ ich ruhig wie auf einem Bergsee.  Vor dem Frühstück will meine Steuerfrau allerdings Brot einholen. Mit dem Dinghi schippert mein Käpt´n sie zur nördlichen von zwei schmalen Einbuchtungen im Fels. Im Nu steigt sie eine Treppe hinauf, die zu einem weitläufigen Hang führt. Immer dem Duft der Macchia nach. Thymian. Wilder Fenchel. Garrigues. Agaven ragen zwischen vereinzelten Felsen auf. Von der Sonne verdorrte Kardonien und Bauruinen säumen den Weg.  Ein Mann pflügt sein Feld. Die trockene Erde wirbelt auf und lässt seine Silhouette verschwimmen. Was kämpft er der Erde ab? Kartoffeln, Kapern oder Kohl? Zucchini, Artischocken oder Tomaten? Auf einem anderen Feld stehen Weinstöcke in Reih und Glied. Und auf der Höhe angelangt gibt eine weite Schlucht den Blick auf verstreute Sandsteinbrüche am gegenüber liegenden Hang frei. LKW kommen und gehen, ziehen Staubwolken hinter sich her. Ein Dorf ist nirgends zu sehen.  

Auch in dem lütten Dwejra, das in der Senke hinter dem alten Wachtturm am Meer liegt, gibt das keine Bäckerei. Aber meine Ruthie traut ihren Augen nicht, als auf dem Weg dorthin eine Lagune in Sicht kommt. Umringt von Häusern und einer hohen Steilwand. Die Farbtupfer auf dem dunkel schimmernden Wasser erweisen sich bald als lütte Holzboote, einige der Häuser als Bootsschuppen. Und der schwarze Fleck auf der Felswand als Zugang zum offenen Meer.

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In der Abenddämmerung düst meine Crew mit dem Beiboot los. Nach so ´ner Überfahrt kann man sich schließlich mal ´ne Pizza gönnen. Mehrmals sind die zwei drauf und dran, in eine der vielen Höhlen zu fahren, die Brandung, Wind und Gestein hier in die Steilküste gefressen haben. Was man gut, dass sie jedes Mal noch´n büsch´n weitergschippert sind. Denn die Zufahrt nach Dwejra gleicht einem Tunnel. Sie is´ nicht allzu lang. Lagune und Bootsschuppen sind vom offenen Meer her zu sehen.

Das erste maltesische Abendessen ist köstlich!  Büsch´n arabisch, büsch´n Meze, und ´n Tick britisch. Als die Imqaret mit Vanilleeis verputzt sind, steht eine filigrane Mondsichel über der Lagune. Für den Rückweg durch den Höhlentunnel hat meine Crew natürlich ´ne Taschlampe dabei. Die dient zudem als Positionslicht. Falls man doch mal auf ein anderes Boot trifft in der Nacht.

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Malta – Schmelztiegel der Kulturen

Neben der Hafeneinfahrt von Mgarr, im Südosten von Gozo, lieg´ ich und warte. Ich mag das ja nich´ so gern, wenn meine Crew mich allein lässt. Und denn auch noch an so ´nem viel befahrenen Ort. Aber die zwei wollen sich Victoria anschauen, die Hauptstadt von Gozo im Inselinnern. Und in ´nem Hafen findet sich meist ein Platz, um das Dinghi sicher festzumachen.

Von der Haltestelle am Fähranleger aus braucht der Bus kaum ´ne halbe Stunde nach Rabat, wie Victoria meist von den Gozitanerinnen genannt wird. Wie Weihnachten sieht das da aus. Mitten im Hochsommer! Rote, mit Gold bestickte Banner und Lichterketten schmücken die Straßen. Vor allem entlang der Republic Street, vor Kirchen und auf manchen Plätzen wachen überlebensgroße Statuen von Erzengeln, Heiligen und Kirchenmännern. Einmal am Tag dreht eine Blaskapelle ihre Runden. Und das fast eine Woche lang.

Es ist „Festa“ zu Ehren des Schutzpatrons. „Viva San Gorg!“ verkünden Leuchtbuchstaben auf dem Hügel gegenüber der Cittadella.  Die Festung, die über Rabat thront, wurde auf den Resten einer mittelalterlichen Burg errichtet, als der Johanniterorden Malta in Besitz nahm. Das is´ bannig lang her. Aber das Meer erinnert sich gut. Es raunt mir die Namen all der Völker zu, deren Schiffe im Lauf der Jahrtausende an maltesischen Küsten Krieger ausgespuckt haben. Ganz dun wird mir davon. Phönizier, Römer, Germanen und Araber. Normannen, Staufer, Kastilier und wer nich´ noch alles.  Zuletzt waren es die Briten. Die herrschten hundertsechzig Jahre. Noch heute ist Englisch Amtssprache auf dem Archipel. Neben Maltesisch natürlich, das ich viel melodischer finde.  Es wurzelt ja auch im Arabischen und im sizilianischen Italienisch.

Kaum ist meine Crew wieder an Bord und will den Anker lichten, hab´ ich ein Boot der Hafenpolizei längsseits. Warum wir keine Courtesy Flag gehisst hätten, fragen die Beamten mit ernster Miene. „Wir wollten nach Sizilien. Aber der Wind hat uns hierher geweht. Und Malta ist so schön!“, sagt meine Steuerfrau. „Sowie wir in Valletta sind, besorge ich eine Flagge. Versprochen! Ach, Malta ist so schön!“ Da bedanken sich die Polizisten und schippern winkend davon.

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Auf Valletta sind meine Crew und ich so richtig neugierig. Die kleinste Hauptstadt Europas ist Unesco-Welterbe. Golden schimmern ihre aus Sandstein errichteten Festungsmauern in der Abendsonne. Sie erinnern daran, dass Malteserritter einst von hier aus Jagd auf muslimische Schiffe machten. Überblicken von der Landzunge Monte Sciberras aus den Grand Harbour im Süden und den Marsamxett Harbour im Norden. Wunderbare Naturhäfen mit zahlreichen Einbuchtungen, die die Malteserinnen „Creeks“ nennen. Mehrere Städte drängen sich hier an die Ufer. Sliema, Ta-Xbiex, Gzira, Msida, Hamrun, Floriana, Marsa, Paola, Cospicua, Kalkara – nur ein paar tausend Einwohner hat jede von ihnen.

Es gibt  viele Stellen zum Ankern. Und –ich fass das nich´!– Ankern ist erlaubt! Zwischen der Insel Fort Manoel mittendrin im Marsamxett Harbour und dem geschäftigen Ort Sliema warten sogar verschiedenste Bojen auf einlaufende Boote. Rostige, gelbe Tonnen. Rote Kegel. Blaue Bälle. Werden sie nicht mehr gebraucht? Oder vielleicht nur im Winter genutzt? Keiner kommt kontrollieren oder präsentiert eine Rechnung. Niemand beschwert sich. Sowas hab ich noch nie erlebt! Jetzt im Hochsommer müsste meine Crew anderswo so viel berappen, dass man die zwei Bojen, zwischen denen ich liege, vergolden könnte. Dabei is´ das hier nich´ gerade Badewasser. Aber dafür gibt das gute Einkaufsmöglichkeiten. Für Proviant. Und für Dinge, die ein Segelboot wie ich so an Zubehör und Ersatzteilen braucht. Und der Diesel kostet eins einundzwanzig den Liter! Sechsmal schippert mein Käpt´n mit dem Dinghi unter der Brücke zwischen Fort Manoel und dem Festland durch zur Tanke, weil er nur einen einzigen, leeren zwanzig Liter Kanister hat. Meine Steuerfrau ist unterdessen im Waschsalon. Und abends stopfen die Zwei sich im koreanischen Imbiss mit scharf gewürzten Nudelgerichten voll.

Das Beste aber ist, dass Zika seit einigen Jahren in Sliema wohnt. Der hat mich nämlich innen drin gestrichen. Sechs Schichten. Akkurat. Bis in den hintersten Winkel jedes einzelnen T-Eisens, das meinen Rumpf stabilisiert. War das eine Freude, ihn wiederzusehen! Er kannte mich ja noch ja gar nich´ so, wie ich jetzt bin. Mit Kombüse und Koje. Mit Segel und Rigg. Seetüchtig eben.

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Ein letztes mal Pizza

Um Wind für die Überfahrt nach Griechenland zu erwischen, segeln wir von Malta aus geradewegs gen Norden. Nach Syrakus, an der Ostküste Siziliens. Meine Steuerfrau ruft die Hafenbehörde per Funk und bekommt Koordinaten in der Rada di Sircusa, an denen wir ankern dürfen. Mit Blick auf die Insel Ortygia und die Altstadt von Syrakus, einst mächtigste Polis des antiken Siziliens, heute Welterbe. Pompöse Palazzos, protzige Kirchen und archäologische Fundstätten aus der Zeit hellenischer Herrscher locken Scharen von Besuchern an. In der Hochsaison muss hier jeder, der vom Tourismus lebt, seine Kasse füllen.    „Nepp!“, grummelt meine Ruthie, als sie vom Landgang kommt. „Die haben hier alle Touri-Burnout.“   Nur vom Wochenmarkt war sie begeistert. Hat Gewürzmischung für Spaghetti Aglio e Olio gekauft. Getrocknete Tomaten, wilden Oregano, gesalzene Kapern und Mandarinenlikör. 

Und wieder ist das Beste ein Wiedersehen! Wir treffen Ingrid, die wir in meinem ersten Segeljahr auf Menorca kennengelernt haben. Die Deern passt auf die „Wind“ auf. Der hundertjährige Holzsegler liegt seit Wochen hier vor Anker. Nicht gerade Badeferien für Ingrid, denn zum Schwimmen lädt das Brackwasser in der weiten Bucht nich´ ein. Selbst mein Käpt´n, der sonst einiges abkann, verzichtet darauf.  Dabei is´ das so heiß, dass meine Ruthie nich´ mal das Naturschutzgebiet am Ufer erkunden will. Unglaublich! Wo das doch der einzige Ort Europas ist, an dem Papyrus wächst.

Wir bleiben nur wenige Tage. Ein letztes Mal Pizza, und mein Anker wird gelichtet. Doch da hängt´n halber Schrottplatz dran. Außerdem Netze und altes Tauwerk. Mit Leine, Ankerwinsch, Messer und Geduld macht mein Käpt´n sich ans Werk. Fast ´ne Stunde braucht das, bis wir den ganzen Schiet los sind.

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Zum Kap Spartivento brechen wir am frühen Nachmittag auf.  Mal rausche ich unter Segeln über die See, mal tucker ich mit Motor. Die Silhouette des Ätnas trotzt dem flammenden Himmel. Raucht zahm vor sich hin.

Mein Anker fällt im Morgenlicht. Das Meer ist klar und frisch. Mein Käpt´n macht Wasser. Es ist hier gar nicht so übel. Helle, rundliche Felsen am Ufer. Struppige, schon bräunlich verfärbte Macchia. Baumgrün vieler Schattierungen. Sträucher, und vereinzelt gelb oder weiß blühende Büsche. Schlanke Palmen und junge Zypressen, hinter denen sich Bahngleise und eine Autobahn verstecken. Hier und dort Häuser und wenige Menschen am hellbraunen Kiesstrand. Und keine Strandbar weit und breit, die unsere Bordmusik übertönt.

Die Küste ist offen, und nur nach Norden hin geschützt. Aber wie viele Segelboote rasten wir hier nur über Nacht. Auf dem Weg von Italien nach Hellas, übers Ionische Meer.

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Glossar

Garrigues – mediterrane Strauchheiden

Meze – griechische Appetithäppchen aus Gemüse, Fisch, Fleisch oder Meeresfrüchten

Imqaret – frittierte, mit Dattelmus gefüllte Küchlein

dun – schwindelig (Plattdütsch)

Republic Street – Hauptstraße von Rabat (Victoria)

Courtesy Flag – Höflichkeitsflagge. Boote und Schiffe führen an Steuerbord die Flagge ihres Gastlandes

Rigg (auch Takelage oder Takelwerk) – Der Mast und Tauwerk sowie Drähte (Wanten und Stage), die den Mast halten. Beschläge, Blöcke und alles, was zum Bedienen der Segel notwendig und nicht am Schiff befestigt ist, sondern aam Mast und anderen Elementen des Riggs selbst

Rada von Siracusa – ausgedehnte Bucht vor Syrakus

Ätna – höchster aktiver Vulkan Europas (3357 m)

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Die Insel der wechselnden Winde

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Mast und Schotbruch, nimmt das denn gar kein Ende! Nich´ das mir Schwell was ausmachen würde. Ich bin ein schweres Mädchen, das wisst Ihr ja. Mit meinen zwanzig Tonnen kann ich kabbelige See gut ab. Egal, ob ich vor Anker liege oder übers Meer rausche. Aber meine Crew tut mir so langsam ´n büsch´n leid, denn seit wir Anfang Juni aus der Marina von Baunei ausgelaufen sind, haben wir kaum mal einen ganzen Tag ruhiges Wetter gehabt. Wer schwimmen will, geht besser über die Badeleiter ins Wasser. Schaut, wie die Strömung ist und bleibt immer schön in meiner Nähe. Mein Käpt´n flachst mittlerweile, dass wir ´nen Pool mit Gegenstromanlage haben.

Cala Brandinchi bei Mistral

Mal bläst der Mistral, Maestrale nennt man ihn in Italien. Er kommt aus Nordwest, vom Löwengolf her, und dreht vor Nordsardinien westlicher. Im Sommer ist es meist der Mistral blanc, der weiße Mistral. Ein Wind der klaren Sicht und der lebendigen Farben, der kaum Regen bringt. Wenn er die Oberhand gewinnt, erstrahlt das Meer in den schönsten Blautönen. Die Schaumkrönchen, die er auf die Wellenkämme wirft, leuchten, als hätten sie das Sonnenlicht aufgesogen. Jedes bisschen Grün, das sich an die felsige Küste klammert, hebt der Mistral hervor. Jede Falte der fernen Berge, jede Scharte, jeden Grat, jeden Gipfel, jeden Kamm. Doch er ist ein trügerischer Teufel, der es liebt, das Meer fern der Küste zu wilden Tänzen aufzupeitschen.  Auch wenn er an Sommertagen selten mehr als dreißig Knoten erreicht.

Der Scirocco wiederum saust aus Südost heran. Wie ein Dschinn erhebt er sich über der Sahara, fegt über das vor Hitze flimmernde Dünenmeer, saugt den aufgewirbelten Staub gierig auf und eilt dann mit trockener Kehle nordwärts, Richtung Mittelmeer, um seinen Durst zu stillen.  Dabei lässt er Wolken wachsen und treibt sie vor sich her. Sie tragen Sandschleier, die er der Wüste entrissen hat. Wenn er naht, liegt das Meer mancherorts wie ein Edelstein unterm trüber werdenden Himmel. Türkis schimmernd, als sei es nicht von dieser Welt.

Doch bald versinkt alles in Grau unter seinem Regiment. Selbst dort, wo sonst der helle Grund im klaren Wasser zu sehen ist, glänzt das Meer dann wie geschmolzenes Blei. Die Konturen von Bergen und Bäumen verschwimmen und die Landschaft zeigt sich nur noch schemenhaft.

Ob grau, ob türkis, ob strahlend blau, meine Steuerfrau kann sich nicht sattsehen an all dem Farbenspiel. Doch wenn der Scirocco Regen bringt, meckert sie wie ´ne kiebige Lachmöwe. Weil man an Deck nur noch schliddern kann und durch die Luken kaum noch was sieht. Weil man ums feudeln nich´ rumkommt, wenn morgens die ganze Plicht mit ´nem schmierigen, hellroten Film überzogen ist. Wat mutt, dat mutt. Doch meist kommt der Feudel erst dann zum Einsatz, wenn der Mistral dem Scirocco mal wieder den Garaus gemacht hat. Darum hab ich hier und dort schon rote Flecken auf meinem schönen, weißen Lack.

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Rund um die Tavolara

Die Isola Tavolara, südlich von Olbia, nennen wir mittlerweile liebevoll „unseren Hausberg“. Nur etwa sechzig Seemeilen von der Marina di Baunei entfernt findet sich hier bei fast jedem Wind eine Bucht, die Schutz bietet.  Genau der richtige Ort also, um mich endlich mit  ´nem Wassermacher auszustatten. Mein Käpt´n hat ihn aus ´nem Bausatz zusammengepusselt. Ein kleiner Hochdruckreiniger, eine Vorfilteranlage, um den groben Dreck aus dem Meerwasser zu holen, zwei Membranfilter für die Entsalzung,  ein Nadelventil, um einen Druck von etwa 55 bar einzustellen. Und verschiedene Kugelventile, um Meerwasser anzusaugen, oder Trinkwasser oder Reinigungsflüssigkeit in die gewünschte Richtung zu leiten. Und natürlich meterweise Schläuche. Nun kann meine Crew Seewasser zu Trinkwasser aufbereiten und muss nich´ mehr alle drei Wochen eine Marina anlaufen, um Wasser zu tanken. Allerdings verbraucht so ein Wassermacher Strom, den meine Lichtmaschine oder meine Solarkollektoren erzeugen müssen. Da muss ich wohl noch besser ausgerüstet werden.  Mein Käpt´n tüftelt dran.  Fürs Erste kommt ein Aggregat zum Einsatz, ein Generator, der Benzin in elektrische Energie umwandelt.

Beinah zwei Monate lang haben wir uns im Nordosten Sardiniens rumgetrieben. Dort ist es einfach zu schön, um Tschüs zu sagen. Bei Mistral lagen wir bestens in der Cala Brandinchi, von der Isola Tavolara aus gen Süd, um´s Capo Coda Cavallo rum. Dort haben wir die Hedwig kennengelernt. Ihr Käp´n kam mit ´nem Fisch und meinte, der sei zu groß für ihn allein. Meine Crew hat natürlich gleich den Grill angeschmissen und ´ne Buddel Wein entkorkt.

Kann man sich vom Ausblick auf die Tavolara nicht trennen, und bläst der Wind nicht allzu stark, liegt man bei Mistral auch in der Cala Istana sicher. Oder vor Porto San Paolo, wo jedoch ein Bootsverleih für reges Kommen und Gehen auf dem Wasser sorgt. Und so´n lüttes Bootchen mit Außenborder kann bannig Welle machen! Das hat die Crew von der lütten Gintonic aber nich´ davon abgehalten, zu uns rüber zu schwimmen. Weil ihnen mein Name so gut gefiel, wollten die beiden mal „Guten Tag“ sagen. War aber mal wieder so´n Wind, dass sie gegn die Strömung nich´ ankamen, und bei der Seawitch nebenan gelandet sind. Die Gintonic hat weder Beiboot noch Kombüse. Ihre Crew ist mit ihr von Genua über Korsika bis Sardinien gesegelt. Und wieder zurück. Die beiden sind meine Helden!

Bläst der Scirocco,  findet man in der Cala Girgolu Schutz. Die Tavolara, deren lang gestreckte Seite der Bucht zugewandt ist, trägt dann Wolkenhüte. Mal ´ne kecke Baskenmütze, schräg am Hang. Mal ´ne Melone, auf dem höchsten Gipfel.  Mal auch ´ne Krone, die auf dem oberen Rand der Insel sitzt. Oder sogar ein Wolkenröckchen, das auf halber Höhe den lang gestreckten Felsen umrundet und wie ein Tutu absteht. In der Cala Girgolu lag meine Freundin Nahia oft neben mir vor Anker. Auch die Orion, mit Paulinchen, dem seuten Cocker-Mischling an Bord. Steffi, von der Benko, hat meiner Crew eines Morgens frisch gebackene Muffins gebracht! Auf ihrem Paddleboard. Besuch ohne Boot hatten wir auch. Sophie hat doch glatt die schönste Woche vom ganzen Frühling erwischt. Und Delfine kamen vorbei. Was für eine Freude! Als sie auftauchten, hat mein Käpt´n gegen meinen Rumpf geklopft, um sie zu locken. Und das hat prima geklappt.

Die Saphir kam genau zur rechten Zeit, um ihrem Käpt’n zum Freispruch zu gratulieren. Vor zwei Jahren hatte Claus-Peter Reisch als Käpt´n des Seenotrettungsschiffes Eleonora nach tagelangem, schweren Sturm den Notstand erklärt und war in einen sizilianischen Hafen eingelaufen. Mit über hundert Menschen an Bord, die vor der lybischen Küste in Seenot geraten waren. Man muss sich das mal vorstellen! Der damalige Innenminister Italiens, Matteo Salvini, hatte der Eleonora die Einfahrt in italienische Gewässer untersagt und mehrere Häfen hatten ihr die Erlaubnis zum Anlegen verweigert. Claus-Peter Reisch nennt das Mittelmeer „Das Meer der Tränen“. Und so heißt auch das Buch, das er geschrieben hat. Das gehört in jede Bordbibliothek.

Quelle: Google Earth

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Einmal rund Sardinien

Weiße Strände, kuschelige Buchten, kristallklares Meer. Mal Felsküste, mal Dünen hoch wie Berge und immer wieder Lagunen im Inland, wo mancherorts sogar Flamingos leben. Anders als auf den Balearen, weiter westlich, ist die Flora überall satt und üppig. Doch Palmen sieht man kaum.

Auch ´nen Abstecher nach Korsika haben wir gemacht. Der Wind stand günstig. Er hat uns dann von von Porto Novo an der Südostküste Korsikas direkt nach Stintino gebracht.

Costa Esmeralda, Smaragdküste, nannte ein arabischer Prinz die Küstengebiete im Nordosten Sardiniens, nachdem er sie in den 1960er Jahren für´n Appel und´n Ei erworben hatte. Heute kostet ´ne Boje in der Cala di Volpe zweitausendachthundert Euro die Nacht. Da liegen so richtige Oschis, eine Superyacht neben der anderen. Eine Nacht haben wir´s da ausgehalten. Mein Käpt´n meinte, das wär´, als würde man auf´m LKW Parkplatz übernachten. Haufenweise Generatoren, nonstop auf Hochtouren. Der Jetset braucht Strom. Man muss ja den Whirpoll heizen. Oder die Yacht mit Lichtern behängen wie´n Weihnachtsbaum.

Meine Crew isst gern Pizza und wir mögen die einfachen Leute. Die Seenomaden, die auf ihren Booten leben. Die Fischer mit ihren ollen Holzkähnen. Die lütten Yachten unter italienischer Flagge, auf denen die ganze Großfamilie Urlaub macht. Ob Kinder oder Freunde, Oma oder Opa, Onkel oder Tante. Alle singen sie gerne. Meist mit Gitarrenbegleitung. Sie treffen zwar nicht immer den Ton, aber sie begleiten meine Crew in´s Land der Träume.

Seit Menschen zur See fahren ist das Mittelmeer eine Brücke zwischen all den Kulturen, die an seinen Ufern leben. Einmal rund um Sardinien rum fanden wir Zeugen verschiedenster Epochen. Vor über dreitausend Jahren schon kamen Schiffe aus dem östlichen Mittelmeer, die mit der Insel Handel trieben. Mykener, Zyprer und etwas später Phönizier aus Tyros, einer der ältesten bewohnten Städte der Erde. Vor der Sinis Halbinsel in der weitläufigen Bucht von Oristano, an der Westküste Sardiniens, habe ich mit Blick auf die antike Stadt Tharros an einer Boje gelegen. Einst gegründet von sardischen Nuraghern, hat Tharros viele Herren gesehen. Phönizier, Punier, Römer. Ebenso wie Nora, am Kap von Pula, in der Bucht von Cagliari am südlichsten Zipfel Sardiniens. Von Nora aus konnten die phönizischen Schiffe selbst bei widrigen Winden in See stechen.  Und auch wir hatten in der Cala di Pula Badewetter und höchstens mal mäßigem Südost bis Nordost, während nördlich und südlich von uns der Mistral mit um die dreißig Knoten geblasen hat.

Die hohen Berge im Inselinnern versperren dem Wind so manchen Weg. Doch sie hinderten weder Karthago noch Rom daran, ihre Macht zeitweise über ganz Sardinien auszudehnen. Mehr als tausend Jahre nach dem Niedergang Roms, das nach den Phöniziern weite Teile Sardiniens besetzte, belagerten arabische Flotten die Insel, wurden aber von den Seemächten Genua und Pisa zurückgeschlagen. Ein Großteil der malerischen, alten Türme wiederum, die überall auf Aussichtspunkten an der Küste thronen, wurde auf Befehl iberischer Herrscher errichtet. Nahezu vierhundert Jahre lang war Sardinien zuerst vom katalonisch-aragonischen und später vom spanischen Königreich besetzt. In Alghero, im Nordwesten Sardiniens, spricht man noch heute katalanisch. Die Stadt liegt an einer weitläufigen Bucht, wo ich fast zwei Wochen geankert hab. Meine Crew hatte im alten Hafen, direkt vor den Mauern der Altstadt, schon ´nen festen Platz für´s Beiboot. Mal ging´s zum Wäsche waschen, mal zum Einkaufen, mal wurden Bootsteile gesucht. Und natürlich immer mal wieder ´ne Runde durch das hübsche Städtchen gedreht, in dem an jeder Ecke ´ne katalanische Fahne weht.

Als mal wieder Mistral aufkam, sind wir ´gen Süden gerauscht. Erst mal zur Isola di Mal di Ventre, zur Bauchwehinsel. Der Name ist wohl ein Übersetzungfehler, denn auf sardisch heißt es Isula de Malu Entu, also „Insel des schlechten Windes“. Das passt auch eher. Die Kreuzsee auf´m Weg dahin war ´n büsch´n ungemütlich für meine Crew. Und beim dritten Versuch, an einer Boje festzumachen, hat mein Käpt´n den Bootshaken abgebrochen. Da kam aber schon der nette Käpt´n vom Nachbarboot und hat seine Hilfe angeboten. Meine Steuerfrau dachte, er wär ein Wächter des Naturschutzgebiets,  zu dem die Isula de Malu Entu und die Sinis Halbinsel am Festland gegenüber gehören. Sie hat sich gewundert, wo er mit dem Schlauchboot wohl hin will. Nach Sonnenuntergang, im letzten Licht. Mehrere Seemeilen von der Küste entfernt, vor einer Insel, so platt wie ´ne Flunder, auf der kein einziges Haus steht.

Die Isula di Malu Entu und die Sinis Halbinsel bieten bei Mistral ´n büsch´n mehr Schutz als viele andere Buchten an der Westküste Sardiniens. Daher sind wir zur Sinis Halbinsel rüber gesegelt, dort ein paar Tage geblieben und dann bei wenig Wind südwärts motort. In der Hoffnung, ein paar Tage in der Bucht von Masua vor Anker liegen zu können, bevor wir in Villasimius, im Südosten, Katamaran Frida und Crew auf ihrem Weg von Griechenland nach Spanien treffen.

Kaum ist man zwischen dem steil aus dem Meer aufragenden Pan di Zucchero und dem Festland durchgesegelt, fällt der Blick auf einen schroffen Felsen. Ein Turm wie aus einem Märchenschloss ragt daraus hervor.  Doch der Schein trügt, denn er ist ein Überbleibsel des industriellen Fortschritts. Vor etwa hundert Jahren ließen belgische Investoren hier einen neuartigen Seehafen bauen. Neben dem kuriosen Turm mündet ein sechshundert Meter langer Tunnel, durch den Zink und Blei von den Minen im Bergbaudorf Masua zum Meer transportiert wurden, um sie in Silos zu speichern und dann direkt auf Frachtschiffe zu verladen.

Schon die Phönizier suchten in der Gegend nach Erzen. Der Boom des Bergbaus auf Sardinien war jedoch vor etwa dreihundert Jahren. Von den Minen in Masua trugen die  Arbeiter das Erz in Weidenkörben zu ihren Bilancellen, leicht gebauten, traditionellen sardischen Booten, die bei schwerer See viel zu schnell sanken. Beladen mit bis zu dreißig Tonnen Blei erreichten sie oft nicht einmal Carloforte, wenn Sturm aufzog. In dem etwa zwanzig Seemeilen von Porto Flavia entfernten Hafen lag so manches Dampfschiff zwei lange Monate, bis es voll beladen war.

Meine Steuerfrau recherchiert. Die Texte über das Unesco Weltkulturerbe Porto Flavia rühmen vor allem die technische Leistung des Architekten und finden es bemerkenswert, dass dieser den Minenhafen nach seiner Tochter Flavia benannte. Interessiert es etwa nicht, dass viele, Erwachsene wie Kinder, sich in den Minen zu Tode schufteten? Will niemand wissen, ob diese Menschen einen Blick für die atemberaubende Landschaft hatten, in die Porto Flavia und Masua eingebettet sind?  Für die kühn ansteigenden, hier und dort mit Pinien bewaldeten Berge. Für die Blumenpracht, die selbst im Hochsommer die Wege säumt.

Wer hat gezählt, wie viele Seeleute über die Jahrhunderte mit ihren Bilancellen im Sturm kenterten und für immer verschollen?  Wer fagt danach, wie viele Menschen heute auf dem Weg von der nordafrikanischen Küste ins gelobte Europa Schiffbruch erleiden? Gebeutelt von bitterer Not. Damals wie heute Kraft schöpfend aus der Hoffnung auf ein besseres Leben. Vor allem nachts, wenn die Stille der Erinnerung Raum gibt, höre ich das Echo all der Träume, die in den Tiefen der See verloren sind. Spüre all die Sehnsüchte, die im Kommen und Gehen der Wellen umherirren.

Ich bin nur ein Segelboot. Doch ich weiß, dass alles, was lebt, auch träumen muss. Der Herbst zieht auf, ich bin auf den Winter vorbereitet und liege wieder in der Marina di Baunei. Die Orion liegt am gleichen Steg, und ich freue mich schon auf die Nahia, die bald kommen wird. Die Frida, mit der wir eine Weile gemeinsam gesegelt sind, ist mittlerweile auf den Balearen. Und ich bin allein und lausche dem Meer. Es erzählt von längeren Tagen und Sonne, die schon morgens mein Deck wärmt. Von wohl gesonnenen Winden und unbekannten Ufern. Von Delfinen, die mich begleiten und Schwertfischen, die plötzlich neben mir aus dem Wasser springen und einen Salto drehen. Und in einem Öffnen und Schließen der Augen wird Frühling sein.

 

Glossar

kabbelig – unruhig

n´büsch´n – ein bisschen

Mistral – Nordwestwind

Löwengolf – erstreckt sich vor der südfranzösischen Mittelmeerküste. Vom Cap de Creus bis Genua

dreißig Knoten – 55,56 km/h

Scirocco – Südostwind

kiebig– frech

bannig – sehr

schliddern – schlittern

feudeln – putzen, wischen

Plicht – auch Cockpit genannt. Bereich an des Bootes, wo sich das Steuer befindet und die Crew sich im Freien aufhält.

wat mutt, dat mutt – was muss, das muss

Feudel – Putzlappen

pusseln– basteln, schrauben

seut – süß

lütt – klein

oll -alt

*

Bella Italia, wir kommen!

Menorca ist mit dem Sonnenuntergang am Horizont verschwunden, Sardinien liegt noch etwa hundertfünfzig Seemeilen ostwärts. Habe den Wind von querab, er weht stetig vom Löwengolf her. Meist aus Nordnordost, aber auch mal aus Nord oder Nordnordwest. Unser Freund André, ein erfahrener Skipper, meint, manchmal gäbe das bei dieser Wetterlage bis zu vier Meter Welle auf halbem Weg. Doch meine Crew wollte trotzdem los. Mag sein, dass die beiden das bald bereuen. Aber ich bin bannig froh! Bin doch bisher nur am französischen oder spanischen Festland lang gesegelt, oder von Valencia zu den Balearen und zurück. Wurde Zeit für ’ne etwas längere Überfahrt. Schließlich will ich was sehen von der Welt.

Bei fünf bis sieben Beaufort komme ich prima in Fahrt. Zum Glück hat meine Steuerfrau sich dran gewöhnt, dass ich oller Knickspanter mich recht fix zur Seite lege, wenn raue See vonder Seite heranrollt. Sie weiß, durch meinen langgezogenen Kiel bin ich stabil. Schade nur, dass wir hart am Wind segeln, auf die Nordwestspitze Sardiniens zu. Mit einem südlicheren Kurs flöge ich geradezu übers Meer. Da würden wir aber in Sizilien oder Tunesien landen, und da wollen wir ja nich‘ hin. Die Seawitch, eine alte Freundin, wartet in der Marina di Baunei auf uns. Ihr Käpt’n Michael hat den Geheimtipp gegeben, und wir haben tatsächlich in dem lütten Sportboothafen an der Ostküste Sardiniens ’nen Liegeplatz ergattert.  Bin ja so gespannt!

*

Nach zweiundvierzig Stunden Törn fällt mein Anker in der rundum geschützten Bucht von Porto Conte. Und meine Crew fällt in die Koje. Kaum haben die beiden ausgeschlafen und hocken im Cockpit, nähert sich ein Speedboot der Guardia di Finanza. Es ist das erste Mal, s­­­­­­eit ich auf dem Meer unterwegs bin, dass wir kontrolliert werden.

Meine Steuerfrau begrüßt die Jungs vom italienischen Zoll wie alte Freunde.

„Good Morning. Buon giorno.“

„Buon giorno.“ Ein Zöllner steht am Bug. Will wissen, wo wir herkommen.

Ausweise, Bootsschein und Versicherungsnachweis werden über die Reling gereicht, und die drei Beamten scharen sich um ihren Bordcomputer. Ihren Motorflitzer lassen sie treiben. Was machen die bloß so lange?

Endlich bringen sie die Papiere zurück. Doch Spanien gilt als Corona-Risikoland. Meine Crew muss fünfzehn Tage an Bord bleiben. In Quarantäne. Oder ’nen Corona-Test machen. Aber wo?

«As a friend I tell you,“, meint der Zöllner verschwörerisch, „go to Alghero harbour. The Guardia Costiera will test you.»

*

Vor Anker in der Bucht von Alghero funkt meine Steuerfrau die Guardia Costiera an. Mehrmals. Nach reichlich radebrechen wird sie an den Operatore vom Sportboothafen verwiesen. Der scheint tatsächlich zuständig zu sein. Er will einen Termin für den Test machen und sich wieder melden.

Meine Crew wartet. Es gewittert. In Strömen pladdert das Wasser vom Himmel. Meine Crew schickt Nachrichten. Wartet noch einen Tag. Endlich meldet sich der Operatore. Die Krankenhäuser sind überlastet. Testtermine gibt es frühestens in der nächsten Woche.

So langsam haben wir die Faxen dicke. Denn ab ersten Oktober kann ich auf meinen neuen Liegeplatz. Und durch die Straße von Bonfacio zur Marina di Baunei sind es noch um die zweihundert Seemeilen. Da brauche ich ein Weilchen, selbst wenn keine Herbststürme dazwischen kommen. Was ein Glück, dass mein Käpt’n nich‘ in den Hafen wollte! Wer dort im Quarantänebereich anlegt, sitzt fest. Bis ein negatives Testergebnis da ist.

Der Wind steht günstig. Die Himmel strahlt im schönsten Blau. Wir lichten den Anker und setzen die Segel.

*

Glossar

Löwengolf – Golfe du Lion.

bannig – sehr

Beaufort – Maßeinheit für die Windgeschwindigkeit, s. Tabelle weiter unten

oll – alt

Knickspanter – besondere Rumpfform. Bei Stahlbooten häufig. Siehe Foto im Beitrag „An einem Morgen im Dezember“, auf dem auch der Kiel zu sehen ist.

Seawitch -Segelyacht mit einem frechen Logo am Rumpf

Marina di Baunei – Sportboothafen in Santa Maria Navarrese/Sardinien

Guardia Costiera – Küstenwache

Speedboot – schnelles, langes Motorboot. Oft ohne Kajüte.

operatore – von „operare“(italienisch): arbeiten, operieren, zusammenarbeiten

pladdern – regnen

*

Meine Crew kriegt sich gar nich‘ mehr ein. Weil so wenige Boote in den Buchten ankern. Weil Sardinien so grün ist. Weil man die Untiefen der Fornelli-Passage wie anno dazumal mit Hilfe eines alten Peilsystems durchschiffen kann. Weil das Wasser so smaragdgrün schimmert.

Und ich hab noch nie in so ’ner weitläufigen Bucht wie der Cala Liscia gelegen. Dünen säumen das Ufer. Verborgen im Schilf sucht ein Flüsschen seinen Weg ins Meer. Landeinwärts liegen vereinzelt Dörfer an den Hängen. Kitesegler ziehen Farbtupfer am Himmel entlang, wetteifern mit den dahineilenden Wolken. Windsurfer düsen Vollspeed kreuz und quer. Einer schrammt fast meine Bordwand und lugt ins Cockpit. Grüßen kann er nicht. Muss ja das Segel halten.

Aber…

«Mast- und Schotbruch! Was knattert der Oschi da auf Ostsüdost denn so? Macht ja ein Riesengedööns

«Das ist ’ne Superyacht, Lobsty. Hat so viel Tüdelüt an Bord, dass die Generatoren nonstop laufen müssen.“ 

« Superyacht? Wie jetzt?»

«Na, hundertsechsunddreißig Meter lang. Sechs Decks. Vierundfünfzig Bedienstete. Vier Millionen Euro Miete die Woche.»

«Oha, mir wackelt das Toplicht vor lauter Zahlen.»

«Hubschrauber und zwei Landeplätze. Mehrere Schwimmbecken. Tauchbasis.»

«Wie apart. Schwimmbecken! Und denn gleich mehrere. Voll überflüssig. Wo das Meer hier so zum Baden verführt, smargdgrün und glasklar. ‚N Hubschrauber?  Welcher Hein-Fienbrot braucht denn sowas? Und überhaupt. Ein Schiff ohne Segel!  Schnickschnack. Der Wind bläst doch nirgends so munter und frei wie auf See. Wer das nicht nutzt, is doch’n Dösbaddel

«Wohl wahr, Lobsty.»

«Also… wenn mal Flaute ist und ihr unbedingt wo hin wollt, brauch ich so sechs bis sieben Liter Diesel die Stunde. Was braucht denn der Pott da?»

„Mhm… in den Tank passen sechshundertzweiundachtzigtausendfünfhundert Liter Diesel. Und das reicht gerade mal für sechstausendfünfhundert Seemeilen.“

«Echt jetzt? Also, von Port Pollensa nach Mahon sind das etwa hundert Seemeilen…»

 «…macht zirka siebzehntausend Euro an Sprit, Lobsty…»

«Is‘  nich‘ wahr!»

«Doch. Und das ist einfach nur obszön.»

«Obszön?»

«Unanständig. Schamlos. Anstößig.»

«Wohl wahr. Wer so viel Patte hat, sollte was abgeben…»

«Jo. Klarer Fall.»

«Aber wir brauchen ja nix, ne.»

«Nö, Lobsty. Wir haben ja uns.»

«Genau. Was wollen wir mehr.»

*

Glossar

sich nicht einkriegen – sich nicht beruhigen

Vollspeed – mit Höchstgeschwindigkeit

lugen – genau hinschauen

Fornelli Passage – Passage mit vielen Untiefen, die den Weg von der Westküste Sardiniens in die Straße von Bonifacio (zwischen Sardinien und Korsika) um etwa zwanzig Seemeilen verkürzt

altes Peilsystem der Fornelli Passage – man fährt so lange Richtung Osten, wie zwei Markierungssteine am Ufer deckungsgleich zu sehen sind. Dabei muss man immer wieder nach achtern schauen, denn auch dort stehen zwei Steine. Wenn die beiden Steine dort sich decken, biegt man nach Südosten ab.

die Schot – Leine zum Segel setzen

Oschi – Riesending

Gedööns  – Lärm

Tüdelüt – unsinniges Zeug

apart – sonderbar, eigenartig

Toplicht – Weißes Licht auf der Mastspitze. Muss beim Ankern nachts leuchten.

Hein-Fienbrot – eingebildeter Mann

Schnickschnack – Unfug, überflüssiges Zeug

Dösbaddel – Dummkopf

*

An der nordöstlichen Ecke von Sardinien liegt das Maddalena Archipel. Soll ja wunderschön sein. Doch über vierzig Euro am Tag für ’ne Ankererlaubnis is‘ man doch’n büsch’n viel. Naturschutzgebiet hin, Naturschutzgebiet her, wir segeln direkt zur Bucht von Olbia.  Seit fünfzehn Tagen sind mein Käpt’n und meine Steuerfrau in Quarantäne. Genug Vorräte waren ja an Bord, aber nu‘  freuen die beiden sich bannig auf den Landgang. Sie reden nur noch von frisch gebackener Pizza.

An der Molo Brin, der öffentlichen Mole von Olbia, finden wir ein geschütztes Plätzchen. Hier gibt’s weder Strom noch Wasser, dafür kostet der Liegeplatz nix. Und nette Nachbarn haben wir. Im strömenden Regen fängt der Käpt’n von der Dream meine Leinen und hilft beim Festmachen. Er ist auch ein Selbstbauer, seine Frau Manuela hat auch beim Bauen geholfen. Die Reinke-Yacht der beiden ist aus Aluminium.

Sturm aus West bis Nordwest soll nächstes Wochenende kommen, mit Windstößen bis elf Beaufort. Aber noch ist viel Platz hier an der Molo Brin. Wir ziehen um an den westlichen Pier, damit der Wind mich vom Land wegdrückt. Unsere Nachbaryacht hat einen arabischen Namen. Dar Melica, „Unser kleines Zuhause“. Gefällt mir irgendwie. Ihre Crew lädt spontan zum Muschelessen ein. Mein Ding sind Muscheln ja nich‘. Vor allem, wenn sie an meinem Rumpf sitzen. Aber mein Käpt’n und meine Ruthie lecken sich begeistert die Finger.

Ich liege direkt vor einem geschäftigen Parkplatz. Meine Steuerfrau hat Fenster und Luken zugehängt. Die Papierservietten, die sie an die lütten Luken der Achterkoje geklebt hat, find ich echt nüdelig. Früh morgens hocken hier schon die Angler am Pier. Schielen mir ab und an ins Cockpit und fangen meist nich‘ viel. Mein Käpt‘ n hat da mehr Glück. Er fischt ’ne riesige Bullenklööte aus der Bucht. Da hög ich mich!! Meine Crew hat natürlich alle Fender, die an Bord sind, zwischen Bordwand und Kaimauer gehängt. Aber ich kann da gar nich‘ genug von haben.

Die ersten Windstöße bringen Regen. Der letzte Angler holt seinen Köder ein. Mein Käpt‘ n kontrolliert nochmal alle Leinen, meine Steuerfrau die Luken. Die Molo Brin ist voll belegt. Dicht an dicht liegen die Boote an beiden Kais. Ein Nachzügler sucht verzweifelt eine Lücke zum festmachen. Wirft am Ende seinen Anker mitten in der Bucht.

Meine Crew schaltet den Kartenplotter an und beobachtet die Messwerte, die das Anemometer an der Mastspitze liefert.  Böen bis neunfünfzig Knoten waren angesagt. Mehr als vierzig Knoten in der Spitze werden es nicht. Das sind etwa funfundsiebzig Stundenkilometer. Nach zwei Tagen ebbt der Sturm ab. Sonnenlicht bricht zaghaft durch die immer noch bleigraue Wolkendecke. Tanzt mit dem leichten Nieselregen. Schietwedder hat doch auch seine guten Seiten. Was für ein wunderbarer Regenbogen!

Die Dar Melica läuft aus. Kurs auf Sizilien. Und auch meine Crew wirft die Leinen los. Meine neue Bullenklööte muss auf der Badeplattform mit. Is ja’n büsch’n sperrig, doch wer weiß, wo die noch gut is‘ für.

Wir sind ein wenig wehmütig. Noch zweimal ankern, dann werde ich einige Monate im Hafen liegen und ganz schön lange alleine sein.  Die letzte Nacht verbringen wir vor der Cala Luna, in der Bucht von Orosei. Der Schwell beschert meiner Crew einen unruhigen Schlaf. Dafür hocken die beiden schon bei Sonnenaufgang im Cockpit und genießen das Panorama. Die Mondsichel zeichnet sich vom heller werdenen Himmel ab. Am Fuß steiler Felswände säumen mehrere Höhlen einen schmalen Strand, der nach Süden hin in eine bewaldete Schlucht vordringt. Auf einem Felsblock inmitten der nördlichsten Höhle haben Besucher mit der Zeit eine Art Altar gebaut.  Den Blick auf’s Meer gerichtet halten unzählige Steinmännchen das Gleichgewicht. Ob sie die Winterstürme überdauern werden?

In der Marina di Baunei feiern wir mit der Seawitch das Wiedersehen. Überhaupt is‘ das ganz schön gesellig unter Bootsleuten. Die Crew von der Reggae gegenüber stürmt mein Cockpit mit Pizza und Sekt. Bea und Simon, die mit ihrer Yacht Nahia an Steuerbord liegen, gesellen sich dazu. Und abends kommt ab und an der Käpt’n von der Orion, die an Backbord liegt, auf ’nen Sundowner rüber. Paulinchen, sein seuter Cocker-Mischling, trappelt auf jedes Boot am Steg, dass ’ne anständige Gangway hat.

Tagsüber kann mein Käpt‘ n das rumpusseln nich‘ lassen. Ich mach ganz schön viel Arbeit. Da kann ich aber nix für. So sind wir Boote nun mal. Meine Steuerfrau freut sich, dass sie mit der Crew von der Seawitch wandern gehen kann. Sie wusste gar nicht, dass Käpt’n Michael sich so gut in den Bergen auskennt. „Atemberaubend!“, hat sie immer wieder geseufzt, als sie von der Tour zum Hochplateau von Baunei zurückkam. „Hach, is‘ das schön hier!“

Ich fühle mich wohlbehütet in dem kleinen Hafen. Nu‘, wo mein Kápt’n und meine Steuerfrau weg sind, betüdelt die Crew von der Nahia mich ganz schön. Hab‘ die gern, die beiden. Ein Segen, dass ich nich‘ so alleine bin! Den Namen Nahia mag ich auch. Es ist baskisch und bedeutet „der Wunsch“. Das Baskenland hat im Herzen von meiner Ruthie einen ganz besonderen Platz. Deshalb hisst sie an meiner Backbordwante die Ikurriña, wenn wir auf Törn sind. Aber bis wir wieder in See stechen is‘ das ja nu‘ noch’n büsch’n hin. Ach, hoffentlich bleibt meine Crew nächstes Jahr über Winter bei mir.

*

Glossar

’n büsch’n –  ein bisschen

Reinke – Yachtdesigner

nüdelig – niedlich

Bullenklööte – ballförmiger Fender (Klööte – Ball)

Fender – mit Luft gefgüllter Abstandshalter und Stoßämpfer

Beaufort –  Maßeinheit für Windgeschwindigkeit

Anemometer – Windmesser

Schietwedder – Mistwetter

rumpusseln – basteln

Sundowner – Getränk beim Sonnenuntergang

Pedralonga  –  Berg an der  Ostküste  Sardiniens

Backbordwante – seitlicher Draht, der den Mast stabilisiert und hält. Hier werden Vereinsflaggen u.a. gehisst. An der Steuerbordwante weht die Gastlandflagge. Am Heck die Flagge des Landes, in dem das Boot registriert ist.

Ikurriña (Baskisch) – baskische Flagge

Beaufort-Skala

BeaufortBezeichnungKnoten (kn)km/h
0Windstille, Flaute0-10-1
1leiser Zug1-41-5
2schwache Brise4-76-11
3leichte Brise7-1112-19
4mäßige Brise11-1620-28
5frische Brise16-2229-38
6starker Wind22-2839-49
7steifer Wind28-3450-61
8stürmischer Wind34-4162-74
9Sturm41-4875-88
10schwerer Sturm48-5689-102
11orkanartiger Sturm56-64103-117
12Orkan≥64≥118
Screenshot der Wetter-App Windy (vom 17.11.20) Die weißen Pfeile zeigen die Windrichtung an, die Hintergrundfarben die Windstärke. Die schwarze Linie beschreibt in etwa den Törn von Mahón zur Marina die Baunei.