
Warten auf den Mistral
Que meraviglia! Wir sind unterwegs. Haben prima Wind. Meistens jedenfalls. Als Sophie, die Tochter vom Käpt´n, Ende Juni in Cagliari ankam, blies der Mistral munter und wir mussten gegen an, um sie abzuholen. Mir hat das ja Spaß gemacht! Aber meine Crew war´n büsch´n aus der Übung. War ja zehn Monate her gewesen, dass die beiden mich zum letzten Mal gesegelt hatten.
Den Winter hab ich wieder in der schnuckeligen Marina von Santa Maria Navarrese verbracht. Zum Glück hat mich die Crew von meiner Freundin Nahia öfter besucht. Sie haben meine Leinen gecheckt, vor allem wenn Sturm angesagt war. In die Bilge geschaut und was noch so anlag. Und ab und an in den Werkzeugkisten vom Käpt´n rumgestöbert. Hab´ mich immer gefreut, wenn sie fündig geworden sind. Auch die Käpt´ns von der Orion und von der Seawitch kamen mal vorbei. Ich war dann aber trotzdem bannig froh, als meine Crew endlich wieder an Bord war. Ende März war´s natürlich noch klamm in den Kojen. Aber mit dem lütten Heizlüfter wurde das bald kuschelig unter Deck. Und für die Plicht gibt das ja die Kuchenbude.
Über zwei Monate lang hat meine Crew an mir rumgepusselt. Das brauchte ich man aber auch! Unter anderem ist mein Getriebe nu´ überholt, achtern hab ich ´ne höhere Reling aus Edelstahl mit schwenkbaren Solarpaneelen dran und meine Genua ist repariert. Und mein Beiboot hat ´nen Überzug bekommen! Der griechischen Sonne eilt nämlich der Ruf voraus, dass PVC ihr nicht lange standhält.
Ach Hellas! Was bin ich gespannt! Der Meltemi, der Nordostwind, der die meiste Zeit des Jahres in der Ägäis vorherrscht, ist unter Seeleuten berüchtigt. Aber wir wollen ja erst mal ins Ionische Meer, das liegt auf dem Weg. Ich hab reichlich Proviant an Bord und meine Tanks sind voll. Noch sind wir in sardischen Gewässern. Ankern vor Porto Pino. Die Lady M ist mit ihrem Käpt´n André aus Carloforte hergeschippert und liegt neben mir. Gemächlich schaukeln wir vor uns hin und genießen beim Schwojen den Ausblick. Mal auf die Dünen, hinter denen sich weitläufige Lagunen verbergen, die von Flamingos und Reihern bewohnt sind. Mal auf den Pinienwald am Kap und den Kanal mit den lütten Fischerbooten, der nach Porto Pino führt. Der Sand ist hier so hell, dass das Meer bei ruhigem Sommerwetter schimmert wie ein Türkis. Da macht das denn auch nix, wenn wir vielleicht etwas länger auf den richtigen Wind warten müssen. Und der Mistral ist ja zuverlässig. Früher oder später wird er kommen. Und mich von schräg achtern Kurs Südost schieben. Raumer Wind heißt das in der Seeleutesprache. Und wenn er wie üblich anständig bläst, hab ich dann auch ´ne feine Welle aus der gleichen Richtung. Freu mich schon auf´s Surfen!
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Wenn Rasmus wohlgesonnen ist…
Was für ein wunderbarer Segelwind! Kaum sind wir um die Südwestspitze von Sardinien rum, geht das los. Im Schutz der Insel gleite ich ruhig und geschwind dahin. Komme sogar immer wieder ins Surfen. Doch dann haben wir Kreuzsee vom Feinsten. Denn der Mistral teilt sich gern, wenn er aus dem Löwengolf heranweht. Im Westen von Sardinien fegt er die Küste hinab, umrundet die Insel im Süden und wird zu Westnordwest. Zugleich wird er südlich von Korsika in die Straße von Bonifacio abgelenkt, die Meerenge zwischen Sardinien und Korsika. Bläst er stark genug, umrundet er dann die Nordostspitze Sardiniens und wird zum Nordwind. Welle aus Westnordwest trifft also auf Welle aus Nord. Und wenn sie hoch genug ist, und ich schweres Mädchen wie ein Korken auf ihr tanze, nennen Seeleute das „Waschmaschine“.

Fast zwei Tage lang traut meine Crew sich nich´ mal mehr, das Brotmesser in die Hand zu nehmen. Eigentlich wollten wir ja bei den Egadischen Inseln, im Nordwesten von Sizilien, einen Stop einlegen. Da rauschen wir aber dran vorbei und lassen Favignana an Backbord liegen. Vor Anker in ´ner Bucht dort hätte meine Crew sicher keine ruhige Nacht. Die beiden überlegen, was es zum Abendessen geben könnte, denn sie haben mittlerweile die große Schüssel Reissalat und die Kartoffeltortilla aufgefuttert. Da wird das doch tatsächlich auf einmal ruhig genug, um ein paar Stullen zu schmieren.
Meine Ruthie hat Steuerwache, und ich gleite bei über zwanzig Knoten von achtern so elegant dahin, dass sie Papier und Stift holt. Glücklich hockt sie in der Plicht und macht Notizen. Ab und an wirft sie ´nen Blick auf den Plotter. Kontrolliert, ob der Autopilot alles unter Kontrolle hat. Da knallt eine Böe von über dreißig Knoten in die Genua. Der Autopilot tilt. Er kann nicht schnell genug reagieren. Ich lauf´ aus dem Ruder. Kaum hat meine Steuerfrau ihren Schreibkram ins Schwalbennest gestopft, ist mein Käpt´n zur Stelle und die beiden fahren eine Wende. Das Schreiben lässt die Deern auf Wache nu´ lieber sein.
Wir lassen Sizilien hinter uns. Die Nacht ist mondlos. Horizont und Meer verschwimmen in der Dunkelheit. Als endlich die Sonne über den Horizont lugt, ist Gozo in Sicht, die westlichste Insel des maltesischen Archipels. In weniger als drei Tagen sind wir vom Südwesten Sardiniens hierher gesegelt. Rasmus ist uns wohlgesonnen!

Glossar
Que meraviglia! – Wie wunderbar! (Italienisch)
Cagliari – Hauptstadt von Sardinien, im Süden der Insel.
Mistral – Nordwestwind, der vom Löwengolf her weht.
bannig – sehr (Plattdütsch)
lütt – klein (Plattdütsch)
raumer Wind – der Wind fällt in einem Winkel von ca. 100 bis 170 Grad in die Segel, sodass diese weit geöffnet werden müssen.
Plicht – auch Cockpit genannt. Bereich des Bootes im Freien, wo sich der Steuerstand beefindet, meist auch Sitzbänke und ein Klapptisch.
Kuchenbude – Abdeckung der Plicht mit einem Verdeck, das ähnlich wie ein Zelt vor den Cockpitbereich Regen, Wind und Sonne
rumpusseln – arbeiten, basteln (Plattdütsch)
schwojen – liegt ein Boot vor Anker dreht sich sein Bug in den Wind und die Ankerkette spannt sich. Je nach Windrichtung und -stärke befindet es sich dann an einem entsprechenden Punkt auf oder innerhalb eines 360 Grad Kreises.
Carloforte – Stadt auf einer dem Südwestzipfel Sardiniens vorgelagerten Insel
Kreuzsee – die Welle rollt aus zwei Himmelsrichtungen heran
Egadische Inseln – Inselgruppe im Nordwesten von Sizilien
Favignana – größte der Egadischen Inseln
Rasmus – Schutzpatron der Seeleute
Knoten – ein Knoten entspricht einer Geschwindigkeit von einer Seemeile pro Stunde (1 Sm = 1852 m)
aus dem Ruder laufen – eine starke Böe fällt ins Vorsegel und das Boot wird herumgedrückt, bis der Bug im Wind steht und das Vorsegel einfällt . Das Boot lässt sich erst wieder steuern, wenn das Segel getrimmt wird, d.h. es muss so zum Wind stehen, dass es sich strafft.
eine Wende fahren – das Vorsegel (Genua oder Fock) auf die andere Seite bringen, sodass der Bug des Bootes durch den Wind geht. Der Wind bläst von der anderen Seite ins Segel und der Kurs ändert sich -je nach Boot- mindestens um 60 bis 90 Grad.
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Gozo – schroffe Felsen, staubiges Grün
Zur rechten Zeit für ein Mittagsschläfchen fällt mein Anker. Simon von der Nahia hatte uns kurz zuvor die Position einer wunderschönen Bucht geschickt. Die Zufahrt zur Dwejra Bay ist nach Westen offen. Sie führt in ein weites Becken zwischen hoch aufragenden Felswänden. Es gibt ja kaum etwas, das ich so fürchte wie Steilküsten. Aber ich hab‘ hier reichlich Raum zum Schwojen. Und sollte starker Westwind aufkommen, bringt meine Crew mich woanders hin. Da kann ich mich auf verlassen.
Nachts lieg´ ich ruhig wie auf einem Bergsee. Vor dem Frühstück will meine Steuerfrau allerdings Brot einholen. Mit dem Dinghi schippert mein Käpt´n sie zur nördlichen von zwei schmalen Einbuchtungen im Fels. Im Nu steigt sie eine Treppe hinauf, die zu einem weitläufigen Hang führt. Immer dem Duft der Macchia nach. Thymian. Wilder Fenchel. Garrigues. Agaven ragen zwischen vereinzelten Felsen auf. Von der Sonne verdorrte Kardonien und Bauruinen säumen den Weg. Ein Mann pflügt sein Feld. Die trockene Erde wirbelt auf und lässt seine Silhouette verschwimmen. Was kämpft er der Erde ab? Kartoffeln, Kapern oder Kohl? Zucchini, Artischocken oder Tomaten? Auf einem anderen Feld stehen Weinstöcke in Reih und Glied. Und auf der Höhe angelangt gibt eine weite Schlucht den Blick auf verstreute Sandsteinbrüche am gegenüber liegenden Hang frei. LKW kommen und gehen, ziehen Staubwolken hinter sich her. Ein Dorf ist nirgends zu sehen.
Auch in dem lütten Dwejra, das in der Senke hinter dem alten Wachtturm am Meer liegt, gibt das keine Bäckerei. Aber meine Ruthie traut ihren Augen nicht, als auf dem Weg dorthin eine Lagune in Sicht kommt. Umringt von Häusern und einer hohen Steilwand. Die Farbtupfer auf dem dunkel schimmernden Wasser erweisen sich bald als lütte Holzboote, einige der Häuser als Bootsschuppen. Und der schwarze Fleck auf der Felswand als Zugang zum offenen Meer.
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In der Abenddämmerung düst meine Crew mit dem Beiboot los. Nach so ´ner Überfahrt kann man sich schließlich mal ´ne Pizza gönnen. Mehrmals sind die zwei drauf und dran, in eine der vielen Höhlen zu fahren, die Brandung, Wind und Gestein hier in die Steilküste gefressen haben. Was man gut, dass sie jedes Mal noch´n büsch´n weitergschippert sind. Denn die Zufahrt nach Dwejra gleicht einem Tunnel. Sie is´ nicht allzu lang. Lagune und Bootsschuppen sind vom offenen Meer her zu sehen.
Das erste maltesische Abendessen ist köstlich! Büsch´n arabisch, büsch´n Meze, und ´n Tick britisch. Als die Imqaret mit Vanilleeis verputzt sind, steht eine filigrane Mondsichel über der Lagune. Für den Rückweg durch den Höhlentunnel hat meine Crew natürlich ´ne Taschlampe dabei. Die dient zudem als Positionslicht. Falls man doch mal auf ein anderes Boot trifft in der Nacht.
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Malta – Schmelztiegel der Kulturen
Neben der Hafeneinfahrt von Mgarr, im Südosten von Gozo, lieg´ ich und warte. Ich mag das ja nich´ so gern, wenn meine Crew mich allein lässt. Und denn auch noch an so ´nem viel befahrenen Ort. Aber die zwei wollen sich Victoria anschauen, die Hauptstadt von Gozo im Inselinnern. Und in ´nem Hafen findet sich meist ein Platz, um das Dinghi sicher festzumachen.
Von der Haltestelle am Fähranleger aus braucht der Bus kaum ´ne halbe Stunde nach Rabat, wie Victoria meist von den Gozitanerinnen genannt wird. Wie Weihnachten sieht das da aus. Mitten im Hochsommer! Rote, mit Gold bestickte Banner und Lichterketten schmücken die Straßen. Vor allem entlang der Republic Street, vor Kirchen und auf manchen Plätzen wachen überlebensgroße Statuen von Erzengeln, Heiligen und Kirchenmännern. Einmal am Tag dreht eine Blaskapelle ihre Runden. Und das fast eine Woche lang.
Es ist „Festa“ zu Ehren des Schutzpatrons. „Viva San Gorg!“ verkünden Leuchtbuchstaben auf dem Hügel gegenüber der Cittadella. Die Festung, die über Rabat thront, wurde auf den Resten einer mittelalterlichen Burg errichtet, als der Johanniterorden Malta in Besitz nahm. Das is´ bannig lang her. Aber das Meer erinnert sich gut. Es raunt mir die Namen all der Völker zu, deren Schiffe im Lauf der Jahrtausende an maltesischen Küsten Krieger ausgespuckt haben. Ganz dun wird mir davon. Phönizier, Römer, Germanen und Araber. Normannen, Staufer, Kastilier und wer nich´ noch alles. Zuletzt waren es die Briten. Die herrschten hundertsechzig Jahre. Noch heute ist Englisch Amtssprache auf dem Archipel. Neben Maltesisch natürlich, das ich viel melodischer finde. Es wurzelt ja auch im Arabischen und im sizilianischen Italienisch.
Kaum ist meine Crew wieder an Bord und will den Anker lichten, hab´ ich ein Boot der Hafenpolizei längsseits. Warum wir keine Courtesy Flag gehisst hätten, fragen die Beamten mit ernster Miene. „Wir wollten nach Sizilien. Aber der Wind hat uns hierher geweht. Und Malta ist so schön!“, sagt meine Steuerfrau. „Sowie wir in Valletta sind, besorge ich eine Flagge. Versprochen! Ach, Malta ist so schön!“ Da bedanken sich die Polizisten und schippern winkend davon.
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Auf Valletta sind meine Crew und ich so richtig neugierig. Die kleinste Hauptstadt Europas ist Unesco-Welterbe. Golden schimmern ihre aus Sandstein errichteten Festungsmauern in der Abendsonne. Sie erinnern daran, dass Malteserritter einst von hier aus Jagd auf muslimische Schiffe machten. Überblicken von der Landzunge Monte Sciberras aus den Grand Harbour im Süden und den Marsamxett Harbour im Norden. Wunderbare Naturhäfen mit zahlreichen Einbuchtungen, die die Malteserinnen „Creeks“ nennen. Mehrere Städte drängen sich hier an die Ufer. Sliema, Ta-Xbiex, Gzira, Msida, Hamrun, Floriana, Marsa, Paola, Cospicua, Kalkara – nur ein paar tausend Einwohner hat jede von ihnen.
Es gibt viele Stellen zum Ankern. Und –ich fass das nich´!– Ankern ist erlaubt! Zwischen der Insel Fort Manoel mittendrin im Marsamxett Harbour und dem geschäftigen Ort Sliema warten sogar verschiedenste Bojen auf einlaufende Boote. Rostige, gelbe Tonnen. Rote Kegel. Blaue Bälle. Werden sie nicht mehr gebraucht? Oder vielleicht nur im Winter genutzt? Keiner kommt kontrollieren oder präsentiert eine Rechnung. Niemand beschwert sich. Sowas hab ich noch nie erlebt! Jetzt im Hochsommer müsste meine Crew anderswo so viel berappen, dass man die zwei Bojen, zwischen denen ich liege, vergolden könnte. Dabei is´ das hier nich´ gerade Badewasser. Aber dafür gibt das gute Einkaufsmöglichkeiten. Für Proviant. Und für Dinge, die ein Segelboot wie ich so an Zubehör und Ersatzteilen braucht. Und der Diesel kostet eins einundzwanzig den Liter! Sechsmal schippert mein Käpt´n mit dem Dinghi unter der Brücke zwischen Fort Manoel und dem Festland durch zur Tanke, weil er nur einen einzigen, leeren zwanzig Liter Kanister hat. Meine Steuerfrau ist unterdessen im Waschsalon. Und abends stopfen die Zwei sich im koreanischen Imbiss mit scharf gewürzten Nudelgerichten voll.
Das Beste aber ist, dass Zika seit einigen Jahren in Sliema wohnt. Der hat mich nämlich innen drin gestrichen. Sechs Schichten. Akkurat. Bis in den hintersten Winkel jedes einzelnen T-Eisens, das meinen Rumpf stabilisiert. War das eine Freude, ihn wiederzusehen! Er kannte mich ja noch ja gar nich´ so, wie ich jetzt bin. Mit Kombüse und Koje. Mit Segel und Rigg. Seetüchtig eben.
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Ein letztes mal Pizza
Um Wind für die Überfahrt nach Griechenland zu erwischen, segeln wir von Malta aus geradewegs gen Norden. Nach Syrakus, an der Ostküste Siziliens. Meine Steuerfrau ruft die Hafenbehörde per Funk und bekommt Koordinaten in der Rada di Sircusa, an denen wir ankern dürfen. Mit Blick auf die Insel Ortygia und die Altstadt von Syrakus, einst mächtigste Polis des antiken Siziliens, heute Welterbe. Pompöse Palazzos, protzige Kirchen und archäologische Fundstätten aus der Zeit hellenischer Herrscher locken Scharen von Besuchern an. In der Hochsaison muss hier jeder, der vom Tourismus lebt, seine Kasse füllen. „Nepp!“, grummelt meine Ruthie, als sie vom Landgang kommt. „Die haben hier alle Touri-Burnout.“ Nur vom Wochenmarkt war sie begeistert. Hat Gewürzmischung für Spaghetti Aglio e Olio gekauft. Getrocknete Tomaten, wilden Oregano, gesalzene Kapern und Mandarinenlikör.
Und wieder ist das Beste ein Wiedersehen! Wir treffen Ingrid, die wir in meinem ersten Segeljahr auf Menorca kennengelernt haben. Die Deern passt auf die „Wind“ auf. Der hundertjährige Holzsegler liegt seit Wochen hier vor Anker. Nicht gerade Badeferien für Ingrid, denn zum Schwimmen lädt das Brackwasser in der weiten Bucht nich´ ein. Selbst mein Käpt´n, der sonst einiges abkann, verzichtet darauf. Dabei is´ das so heiß, dass meine Ruthie nich´ mal das Naturschutzgebiet am Ufer erkunden will. Unglaublich! Wo das doch der einzige Ort Europas ist, an dem Papyrus wächst.
Wir bleiben nur wenige Tage. Ein letztes Mal Pizza, und mein Anker wird gelichtet. Doch da hängt´n halber Schrottplatz dran. Außerdem Netze und altes Tauwerk. Mit Leine, Ankerwinsch, Messer und Geduld macht mein Käpt´n sich ans Werk. Fast ´ne Stunde braucht das, bis wir den ganzen Schiet los sind.
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Zum Kap Spartivento brechen wir am frühen Nachmittag auf. Mal rausche ich unter Segeln über die See, mal tucker ich mit Motor. Die Silhouette des Ätnas trotzt dem flammenden Himmel. Raucht zahm vor sich hin.
Mein Anker fällt im Morgenlicht. Das Meer ist klar und frisch. Mein Käpt´n macht Wasser. Es ist hier gar nicht so übel. Helle, rundliche Felsen am Ufer. Struppige, schon bräunlich verfärbte Macchia. Baumgrün vieler Schattierungen. Sträucher, und vereinzelt gelb oder weiß blühende Büsche. Schlanke Palmen und junge Zypressen, hinter denen sich Bahngleise und eine Autobahn verstecken. Hier und dort Häuser und wenige Menschen am hellbraunen Kiesstrand. Und keine Strandbar weit und breit, die unsere Bordmusik übertönt.
Die Küste ist offen, und nur nach Norden hin geschützt. Aber wie viele Segelboote rasten wir hier nur über Nacht. Auf dem Weg von Italien nach Hellas, übers Ionische Meer.
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Glossar
Garrigues – mediterrane Strauchheiden
Meze – griechische Appetithäppchen aus Gemüse, Fisch, Fleisch oder Meeresfrüchten
Imqaret – frittierte, mit Dattelmus gefüllte Küchlein
dun – schwindelig (Plattdütsch)
Republic Street – Hauptstraße von Rabat (Victoria)
Courtesy Flag – Höflichkeitsflagge. Boote und Schiffe führen an Steuerbord die Flagge ihres Gastlandes
Rigg (auch Takelage oder Takelwerk) – Der Mast und Tauwerk sowie Drähte (Wanten und Stage), die den Mast halten. Beschläge, Blöcke und alles, was zum Bedienen der Segel notwendig und nicht am Schiff befestigt ist, sondern aam Mast und anderen Elementen des Riggs selbst
Rada von Siracusa – ausgedehnte Bucht vor Syrakus
Ätna – höchster aktiver Vulkan Europas (3357 m)
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